Direkt zum Hauptbereich

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zu Gast bei ELTERN im Dialog in Berlin: "Eine perfekte Familie ist die unperfekte Familie"

Hamburg (ots) - Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig war gestern Abend zu Gast bei ELTERN im Dialog. Die Zeitschrift ELTERN feierte ihr 50. Jubiläum und hatte aus diesem Anlass in die Königliche Porzellanmanufaktur in Berlin eingeladen. Auf dem Podium sprach ELTERN-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki mit Manuela Schwesig darüber, wie ein gutes Familienleben in Deutschland heute und in Zukunft aussieht.

obs/
Gruner+Jahr,
ELTERN/
Tom Maelsa
"Zeit mit der Familie zu verbringen ohne berufliche oder private Verpflichtungen ist für mich das Schönste und Wichtigste, der einfache, schlichte Familienalltag," verriet die Ministerin. Den normalen Alltagswahnsinn kennt Schwesig jedoch wie alle berufstätigen Mütter: "Mit dem Glück ist oft der Stress verbunden und dieser Spagat lässt sich nicht auflösen. Aber neben finanzieller Unterstützung brauchen wir mehr gesellschaftliche Akzeptanz, wenn man sein Kind in die Kita gibt." In der gesellschaftlichen Debatte würden Frauen da sehr schnell in Schubladen gesteckt: "Statt sich und andere Familien zu vergleichen und einander zu bewerten, wünsche ich mir mehr Offenheit für die individuelle Art und Weise, in der Mütter und Väter ihr Familienleben gestalten."

Nach dem Grund gefragt, warum junge Eltern heute oft so gestresst sind, plädierte die Bundesfamilienministerin für mehr Bereitschaft zu weniger Perfektionismus: "Die Eltern heute haben häufig den Anspruch, dass alles perfekt laufen muss und setzen sich damit enorm unter Druck. Aber wer sagt eigentlich, dass nichts schief gehen darf und man immer gut gelaunt sein muss? Die perfekte Familie ist doch die unperfekte Familie!"

Druck erzeuge auch, wenn in Deutschland immer über Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie debattiert werde, als gäbe es nur ein Entweder/Oder: "Warum muss ich mich zwischen Beruf und Familie entscheiden? Warum geht nicht beides?" Das fragten sich Mütter und zunehmend auch Väter. "Sie wollen beides, aber nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Es muss möglich sein, Arbeitszeit zu reduzieren ohne Nachteil für die teilzeittätigen Eltern". Dazu sei ein neues Bewusstsein nötig: "Unsere Arbeitswelt ist noch sehr starr, verlangt ständige Präsenz der Arbeitnehmer." Ziel der Familienpolitik müsse es sein, das zu durchbrechen und auch andere Modelle als das herkömmliche zu unterstützen. "Zudem muss die Lohnlücke zwischen den Gehältern von Männern und Frauen geschlossen werden," so die Bundesministerin weiter, "damit nicht immer die Frauen diejenigen sind, die beruflich zurückstecken."

Insgesamt sei dies auch eine Generationenfrage, die Väter von heute müssten ihren Kindern neue Familienmodelle vorleben. Die Politik wolle das durch die von Ministerin Schwesig vorgeschlagene Familienarbeitszeit, die mehr Gerechtigkeit in den Familien schaffen soll, unterstützen. Außerdem solle es bald mehr Unterstützung für Alleinerziehende geben, durch die Senkung des steuerlichen Entlastungsbetrags und die Zahlung des Unterhaltsvorschusses bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes. "Für die Zukunft brauchen wir ein Steuerrecht, das Familien begünstigt. Dort, wo Kinder sind, muss die steuerliche Entlastung greifen", sagte die Ministerin. Anders als die Koalitionspartner von der Union, sei sie auch für eine Abschaffung des Ehegattensplittings, das nur Verheiratete begünstigt - allerdings mit Vertrauensschutz für alle Paare, die heute davon profitieren.

Kontakt:

Isabelle Haesler
PR / Kommunikation ELTERN / ELTERN FAMILY
20444 Hamburg
Telefon +49 (0) 40 / 37 03 - 37 06
Telefax +49 (0) 40 / 37 03 - 17 - 3706
eMail haesler.isabelle@guj.de
Internet www.guj.de


Buchtipp:
Bollock - das Kinder- und Jugendbuch zur Frankfurter Buchmesse 2016

Beliebte Posts aus diesem Blog

Problematischer Medienkonsum bei Kindern

Wenn das Smartphone unersetzlich wird
(PrNews24) sup.- 75 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren spielen täglich bis zu 30 Minuten lang mit Smartphones. Zu diesem Ergebnis kommt die so genannte BLIKK-Studie, bei der u. a. mit Unterstützung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) 6.000 Minderjährige im Hinblick auf ihren Umgang mit digitalen Medien befragt wurden. Jugendliche aktivieren ihre mobilen Telefone im Schnitt bereits 120- bis 150-mal am Tag. Das bedeutet laut dem Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Christoph Möller (Hannover), dass alle Aktivitäten in der realen Welt, ob frühstücken, Hausaufgaben machen oder mit Freunden treffen alle neun bis zwölf Minuten unterbrochen werden. „Auf jedes Fiepsen, Brummen oder Klingeln wird unmittelbar reagiert“, so Prof. Möller.

Vor der Suchtgefahr von Smartphones, Tablets oder Computern warnt auch Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. 500.000 bis 600.000 Menschen seien in Deutschland Schätzu…

Programmierbarer Holzroboter nominiert für den TOMMI Kindersoftwarepreis

Cubetto ist Kandidat für den Sonderpreis Kindergarten und Vorschule
Freiburg i.B. – Der Programmierroboter Cubetto des Unternehmens Primo Toys konnte die Jury des renommierten TOMMI Kindersoftwarepreises überzeugen und wurde für den Sonderpreis Kindergarten und Vorschule nominiert. Der Jury gefällt besonders, dass der Holzroboter Kinder an abstraktes Denken und Programmieren heranführt und dabei ganz ohne Bildschirm auskommt. Bunte Bauklötze machen das Thema für Kinder anfassbar und unmittelbar erlebbar. Für diese Herangehensweise wird Cubetto auch in Montessori-Einrichtungen geschätzt.

Experten und Kinder testen Der TOMMI zeichnet innovative Apps, Computer- und Konsolenspiele sowie elektronisches Spielzeug für Kinder aus. Er hilft Eltern, ihre Kinder im Medienzeitalter zu unterstützen und zu begleiten, erzieht zu einem kritischen Umgang mit Computer- und Konsolenspielen und fördert nachhaltig die Medienkompetenz. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Familienministeriums un…

Erstes medienpädagogisches Märchenbuch für Kinder und Erwachsene - @Hannes-Biene

Das erste medienpädagogische Märchenbuch hat die Smartphone-Nutzung zum Thema
Der Medienpädagoge Robert Behrens, die Illustratorin Jenny Karow und die Autorin Johanna Emil Fülle wollen ihr gemeinsames Buchprojekt „Guck doch mal! – Ein Medienmärchen für die ganze Familie“ über Crowdfunding finanzieren. Die Kampagne auf www.startnext.com läuft bis zum 27.10.2017

Zusammengefunden haben sich die drei Rostocker bereits Anfang des Jahres. Seitdem arbeiten Sie an ihrem Kinderbuch, um auf ein aktuelles Problem aufmerksam machen: das eigene Kind in Konkurrenz zu Neuen Medien.

„Ich hatte die Idee, als ich meinen Neffen zum Kindergarten gebracht habe“, sagt Initiator Robert Behrens. Dort habe er einige Eltern gesehen, die mehr mit ihren Smartphones als mit ihren Kindern beschäftigt waren. Eine Plakataktion des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern unter dem Titel „Heute schon mit ihrem Kind gesprochen?“ weist seit dem letzten Jahr an vielen Stellen darauf hin. „Ich habe die Plakate gesehen und wol…